Mit Delikatessen und viel Herzlichkeit zum Erfolg

Seit 59 Jahren gibt es das Unternehmen „Delikatessen Jäger“ in Klagenfurt. Schon früh wusste Erwin Jäger, dass er den Kaufladen seines Vaters übernehmen wird. Menschlichkeit war ihm immer wichtig.

Verena Grimschitz

 

Alpen Kaviar, Biolachs, regionale Zartbitterschokolade, heimischen Spargel oder hochqualitative Kärntner Nudel – diese regionalen Köstlichkeiten und viel mehr findet man bei „Delikatessen Jäger“ in Klagenfurt. Angefangen hat aber alles vor 59 Jahren mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft, das Alois Jäger 1961 von der Familie Schurz in der Radetzkystraße in Klagenfurt übernahm. Neun Jahre später übersiedelte das Geschäft an den heutigen Standort. „Das war der Abschied, der direkten Bedienung an der Theke. Die Leute fuhren erstmals selbst mit einem Einkaufswagen durch das Geschäft“, erzählt Kaufmann Erwin Jäger. 1972 wurde er von seinem Vater mit 40 Prozent am Betrieb beteiligt, das war der Grundstein für die Übernahme des Unternehmens, die 15 Jahre später erfolgte. „Mein Vater half mir noch bis 1997 ganztags und bis 2007 halbtags. Er stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite und unterstützte mich, wo er nur konnte.“ 1989 wurde neben dem Kaufladen und dem Café das dritte Standbein des Unternehmens eröffnet, die Vinothek. Auslöser dafür, war die abgeschlossene Sommelierausbildung seiner Ehefrau Griseldis.

Die Kunden kommen heute aus ganz Kärnten: „Unser Kundenstamm besteht zu 50 Prozent aus Kunden aus Klagenfurt und die andere Hälfte kommt aus verschiedenen Regionen Kärntens.“

Vor fünf Jahren setzte sich der Vater von drei Töchtern und einem Sohn zur Ruhe – zumindest formell. „Ich dachte zuerst an einen Verkauf des Unternehmens. Aber die Interessenten wollten alles neu strukturieren oder Investoren suchen. Hier wäre der Firmenwert, das Personal und die Struktur – alles was wir aufgebaut haben – zerstört worden. Das wollte ich einfach nicht.“

Anfang März stieg seine Tochter und Juristin Doris in das Unternehmen ein, hat den Betrieb aber (noch) nicht übernommen: „Ich möchte mich in das Geschäft hineinfühlen, bevor ich es leite. Natürlich bin ich mit den Kunden und den Produkten schon von klein auf vertraut. Jedoch möchte ich die Dynamik hinter den Kulissen erst richtig kennenlernen.“

Die Familie war für den Unternehmer schon immer eine große Stütze. Er weiß: „Alleine könnte man so ein Geschäft nicht führen. Zusammen- und Rückhalt spielen hier eine große Rolle.“

Die Corona-Krise hat der Betrieb gut überstanden. „Wir haben schon vor dem Lockdown Maßnahmen gesetzt. Fingen mit einer Maskenpflicht im Geschäft und Desinfektionsmittel für Kunden an. Als ein Lieferengpass kam, mussten wir wirklich um jede Maske und jeden Tropfen kämpfen. Bei der Kurzarbeit haben wir unsere Mitarbeiter in zwei Teams aufgeteilt und richteten einen Lieferservice ein.“ Trotz der Veränderungen konnte eine Umsatzsteigerung erzielt werden.

Was im Geschäft zählt, ist die Nähe zu den Menschen: „Wir kennen unsere Kunden und wissen, was für sie wichtig ist. Wir sind Regisseure, Psychologen und Organisatoren in einem. Wir sind mit ihnen verbunden und das unterscheidet uns von den Supermarktketten“, so der 70-Jährige.

 

 

Fotos: Kärntner Wirtschaft
Nr. 20 · 21. 8. 2020

Chronik

☛  1961 übernahm Alois Jäger ein Lebensmittel-Geschäft in der Radetzkystraße 8 in Klagenfurt.

☛ 1970 folgte die Übersiedelung an den heutigen Standort – Radetzkystraße 38
bis 40.

☛ 1987 übernahm Erwin Jäger das Delikatessengeschäft seines Vaters.

☛ 1989 eröffnete Jäger gemeinsam mit seiner Frau Griseldis die Vinothek.

☛ Aktuell sind zehn Mitarbeiter im Betrieb beschäftigt – davon drei als Lehrlinge.

 

 

Interview
mit Erwin und Doris Jäger

„Hat ein Unternehmen 1000 Filialen, ist es seelenlos“

 

Kärntner Wirtschaft: Was macht erfolgreich gelebtes Unternehmertum aus?

Doris Jäger: Die Liebe zum Detail. Wenn man auf Kleinigkeiten achtet, sich darauf aber nicht versteift, hat man Erfolg.

Erwin Jäger: Die Begeisterung für den Beruf, die Ware und für die Menschen.

Warum sind Unternehmerpersönlichkeiten wichtig für das Land?

Doris Jäger: Weil sie Verantwortung übernehmen. Nicht nur für sich selbst, sondern auch in mehreren sozialen Bereichen.

Erwin Jäger: Ich muss als Unternehmer eine Atmosphäre schaffen, in der sich Mitarbeiter und Kunden wohlfühlen. Hat ein Unternehmen 1000 Filialen, ist es seelenlos. Es wird nur noch mit Hilfe von Zahlen gearbeitet und das soziale Element nicht mehr berücksichtigt.

Wie bringen Sie sich in der Region ein?

Doris Jäger: Wir sind hellhörig was neue und regionale Produkte betrifft und haben seit Jahren eine Slow-Food-Partnerschaft.

Erwin Jäger: Bei uns haben regionale Produzenten eine Plattform, auf der sie ihre Produkte verkaufen können. Wir verkaufen die handerzeugten Produkte nicht zum Schleuderpreis.

Wenn Sie einen Wunsch an politische Entscheider hätten?

Erwin Jäger: Dass die Bundesebene mehr auf die Landesebene und ihre Vorschläge achtet. Ich war jahrelang als Funktionär in der Wirtschaftskammer tätig, doch in Wien wurde von den Politikern leider vieles anders entschieden.

Doris Jäger: Ich würde mir mehr Bewusstseinsbildung in Schulen wünschen. Damit die Menschen verstehen woher unsere Lebensmittel kommen und wie wichtig Regionalität und faire Bezahlung in der Lebensmittelproduktion ist.

Im nächsten Unternehmerleben würde ich …

Erwin Jäger: … alles genau gleich machen.

Delikatessen Jäger

Radetzkystraße 38-40

A-9020 Klagenfurt

Tel. 0463 57 354

 

Öffnungszeiten

Mo.-Fr. 7–19 h, Sa. 7–13 h

Café CaJä

Radetzkystraße 40

A-9020 Klagenfurt

Tel. 0463 57 354 - 14

 

Öffnungszeiten

Mo.-Fr. 7–20 h, Sa. 7–14 h

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